Großbritannien im Ersten Weltkrieg: Was wirklich geschah – Der aktualisierte Leitfaden 2026
Großbritanniens Rolle im Ersten Weltkrieg gleicht einem Eisberg: Sichtbar sind Schlamm, Stahlhelme und endlose Reihen von Gräbern. Doch unter der Wasserlinie arbeitet eine gewaltige Maschinerie aus Politik, Wirtschaft und globaler Macht.
Wer nur die Oberfläche betrachtet, verpasst das Entscheidende. Erst ein Blick auf die verborgenen Zahnräder erklärt, warum das Empire kämpfte, wie es kämpfte – und was davon bis heute nachwirkt. Genau dort beginnt dieser Leitfaden.
Der Erste Weltkrieg war für Großbritannien kein einzelnes historisches Ereignis – er war ein radikaler Systembruch, der Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und das Empire dauerhaft neu geordnet hat. Viele der Entscheidungen, die zwischen 4. August 1914 und 11. November 1918 getroffen wurden, wirken bis heute nach.

Großbritannien im Ersten Weltkrieg: Der Moment, der alles veränderte
Als Großbritannien Deutschland am 4. August 1914 um 23:00 Uhr offiziell den Krieg erklärte, tat es das nicht aus Routine – sondern aus Angst vor einer völlig neuen Weltordnung.
Der unmittelbare Auslöser war der deutsche Einmarsch in das neutrale Belgien. Doch der tiefere Grund lag woanders: Ein von Deutschland dominiertes Europa hätte das britische Machtgleichgewicht zerstört, den Seehandel bedroht und das Empire isoliert.
Diese Entscheidung band nicht nur England, sondern das gesamte Britische Empire in einen industrialisierten Massenkrieg ein – mit Konsequenzen, die niemand 1914 vollständig überblicken konnte.
Eine Armee, die es so nie geben sollte
1914 verfügte Großbritannien über eine überraschend kleine Berufsarmee: rund 700.000 ausgebildete Soldaten. Zum Vergleich: Deutschland und Frankreich mobilisierten Millionen.
Die Lösung war beispiellos. Kriegsminister Lord Kitchener startete eine massive Freiwilligenkampagne. Innerhalb weniger Monate meldeten sich über 2 Millionen Männer – die berühmte Kitchener’s Army.
Als das nicht reichte, führte Großbritannien im Januar 1916 erstmals in seiner Geschichte die Wehrpflicht ein. Bis 1918 dienten über 4 Millionen Soldaten in der britischen Armee.

Schlachten, die Großbritannien prägten
Die britische Armee kämpfte auf mehreren Kriegsschauplätzen gleichzeitig – mit enormen Verlusten.
Schlacht an der Somme (1916): Am ersten Tag allein über 57.000 britische Verluste – der blutigste Tag in der Militärgeschichte des Landes.
Passchendaele (1917): Schlamm, Regen und Maschinengewehre machten Fortschritte fast unmöglich.
Hinzu kamen Einsätze in Italien, Gallipoli und im Nahen Osten gegen das Osmanische Reich – ein globaler Krieg im wahrsten Sinne.
Die Royal Navy: Großbritanniens unsichtbare Waffe
Während die Armee an Land kämpfte, entschied die Royal Navy über den Ausgang des Krieges auf See.
Die britische Seeblockade schnitt Deutschland systematisch von Rohstoffen, Lebensmitteln und Treibstoff ab. Historiker schätzen, dass die Blockade hunderttausende zivile Todesfälle durch Unterernährung verursachte.
Die Seeschlacht am Skagerrak (Jütland) 1916 war die größte Seeschlacht des Krieges. Strategisch blieb Großbritannien danach Herr der Meere.

Ein Empire im Krieg
Was oft übersehen wird: Großbritannien kämpfte nicht allein.
Über 3 Millionen Soldaten und Arbeitskräfte aus Indien, Kanada, Australien, Neuseeland, der Karibik und Afrika dienten unter britischem Kommando.
Der Erste Weltkrieg war für viele Kolonien der Moment, in dem Loyalität eingefordert – und politische Mitsprache erstmals ernsthaft eingefordert wurde.
Die Kosten des Krieges
Großbritannien zahlte einen extremen Preis.
Rund 900.000 britische Soldaten starben, über 2 Millionen wurden verwundet. Die Staatsverschuldung vervierfachte sich. Lebensmittel wurden rationiert. Inflation wurde zum Alltag.
Doch der Krieg beschleunigte auch tiefgreifende Veränderungen: 1918 erhielten Frauen über 30 erstmals das Wahlrecht. Die Labour Party wurde zu einer echten politischen Kraft.

Nach dem Krieg: Sieg ohne Sicherheit
Großbritannien war Mitgestalter des Vertrags von Versailles (1919) und Gründungsmitglied des Völkerbundes. Doch der Frieden blieb fragil.
Das Empire war überdehnt, die Wirtschaft geschwächt, die Gesellschaft traumatisiert. Viele der ungelösten Probleme führten direkt in den nächsten globalen Konflikt.

Warum das heute noch zählt
Der Erste Weltkrieg machte Großbritannien moderner, zentralisierter – aber auch verletzlicher.
Wenn wir heute über internationale Allianzen, europäische Sicherheit oder das Ende von Imperien sprechen, sprechen wir immer noch über Entscheidungen, die zwischen 1914 und 1918 getroffen wurden.
Das ist die eigentliche Geschichte Großbritanniens im Ersten Weltkrieg. Nicht vergangen. Sondern grundlegend.







