Kohle in Großbritannien 2026: Warum sie wirklich vorbei ist
Die Schornsteine stehen still, doch etwas Unsichtbares ist verschwunden. Nicht Rauch, sondern Einfluss. In Großbritannien endete 2024 kein Brennstoff, sondern ein Zeitalter – leise, ohne Feuerwerk, fast unbemerkt.
Warum sich das erst 2026 klar zeigt, weshalb Kohle nicht zurückkehrt und wer ihren Platz eingenommen hat, offenbart sich erst beim Blick hinter die Zahlen. Genau dort beginnt die eigentliche Geschichte.
Dieser Artikel zeigt, warum Kohle in Großbritannien 2026 faktisch tot ist, politisch abgeschlossen – und wirtschaftlich dennoch nachwirkt. Nicht als Brennstoff, sondern als Strukturproblem. Und als Lehrstück für jede Industrienation, die glaubt, ein Energiewechsel sei nur eine technische Frage.

Der eine Moment, der alles veränderte
Am 30. September 2024 um Mitternacht ging in Nottinghamshire das Licht aus.
Mit der Abschaltung des Kraftwerks Ratcliffe-on-Soar endete nach 142 Jahren die Kohleverstromung in Großbritannien. Zum ersten Mal seit 1882 floss kein einziges Kilowatt Strom mehr aus Kohle ins britische Netz.
Das Vereinigte Königreich wurde damit zur ersten großen Industrienation weltweit, die Kohle vollständig aus der Stromerzeugung verbannt hat.
Warum viele glauben, Kohle spiele noch eine Rolle
Die Verwirrung ist verständlich.
• Es gibt noch Kohleimporte.
• Es gibt noch juristische Streitfälle.
• Und es gibt Regionen, deren Identität bis heute auf Kohle basiert.
Aber das Entscheidende ist: Kohle ist kein Energiethema mehr – sondern ein Übergangsthema.
Kohle in Zahlen: Der Stand 2026
- Stromerzeugung aus Kohle: 0 % (seit 01.10.2024)
- Letztes Kohlekraftwerk: Ratcliffe-on-Soar, geschlossen 30.09.2024
- Inländische Kohleförderung: 0,1 Mio. Tonnen (2024), praktisch eingestellt
- Neue Kohleminen: Gesetzlich untersagt seit November 2024
- Anteil erneuerbarer Energien am Strommix: ca. 55 % (2025)
Zum Vergleich: 2012 stammten noch rund 40 % des britischen Stroms aus Kohle.

Der größte Irrtum: „Kohle wurde ersetzt“
Nein.
Kohle wurde nicht ersetzt. Sie wurde überflüssig gemacht.
Der britische Strommix 2026 basiert auf:
- Offshore-Wind (größter Einzelposten Europas)
- Onshore-Wind & Solar
- Kernenergie
- Erdgas als Reserve (nicht als Grundlast)
Das Entscheidende: Flexibilität schlägt Grundlast.Das Netz wurde umgebaut, Speicher ausgebaut, Lastmanagement digitalisiert.
Was mit den Kohle-Regionen wirklich passiert ist
Hier liegt der unbequeme Teil der Wahrheit.
Der Kohleausstieg war technisch ein Erfolg – sozial aber nur dort, wo früh investiert wurde.
Regionen wie South Yorkshire oder Teile von Wales kämpfen bis heute mit:
- unterdurchschnittlichen Löhnen
- höherer Arbeitslosigkeit
- geringerer Lebenserwartung
Der Fehler der 1980er Jahre – Schließen ohne Übergang – wirkt bis heute nach.
Warum 2026 trotzdem ein Wendepunkt ist
Seit 2024 gilt in Großbritannien faktisch:
- Kein Kohlekraftwerk mehr
- Keine neuen Bergbaulizenzen
- Kein politischer Weg zurück
Selbst das umstrittene Projekt Woodhouse Colliery in Cumbria wurde 2025 endgültig aufgegeben – nach Gerichtsurteilen und Lizenzverweigerung.

Die eigentliche Lehre aus dem britischen Kohleausstieg
Das Vereinigte Königreich ist nicht kohlefrei, weil es reich an Wind ist.
Es ist kohlefrei, weil es früh entschieden hat, dass Kohle keine Zukunft mehr bekommt.
Der Ausstieg war keine Marktentscheidung. Er war eine politische.
Fazit: Kohle ist vorbei – aber ihre Geschichte noch nicht
Kohle hat Großbritannien reich gemacht.Und sie hat dem Land gezeigt, was passiert, wenn Strukturwandel zu spät beginnt.
2026 ist Kohle kein Energiethema mehr.
Sie ist eine Erinnerung daran, dass Übergänge nicht von selbst gerecht sind – sondern gestaltet werden müssen.
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